Probleme ansprechen

Mit MS leben heisst immer auch, mit einer Ungewissheit leben zu müssen. Die Krankheit kann über viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte inaktiv sein, sie kann aber auch von heute auf morgen durch einen besonders heftigen Schub all Ihre Pläne auf den Kopf stellen. Gemeinsame Wünsche müssen an Ihre Möglichkeiten angepasst werden. Sie und Ihr Partner/Ihre Partnerin müssen immer wieder mit neuen Belastungen umgehen können, um eine neue Zufriedenheit in der Partnerschaft zu erlangen.

Selbsthilfegruppen können Ihnen und Ihren Angehörigen in solchen Situationen wertvolle Hilfe bieten. MS-Betroffene leiden häufig als Folge ihrer Krankheit an mangelnder Selbstachtung. Und die Neudefinition der Rollenverteilung innerhalb der Familie kann zu Reibereien mit dem Partner/der Partnerin und den Kindern führen. Am besten gelingt es Paaren, die viel miteinander reden, auch über die Krankheit und die gegenseitigen Erwartungen zu sprechen. Manchmal lassen sich aber Probleme mit dem eigenen Selbstwertgefühl als kranker Mensch oder in der Partnerschaft nicht selber lösen. Zögern Sie nicht, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Sexuelle Probleme sollten kein Tabuthema sein. Impotenz oder Orgasmusstörungen können auch mit der Krankheit in Zusammenhang stehen. Sie müssen dann neue Formen von Zärtlichkeit und körperlicher Nähe entwickeln, um weiterhin eine befriedigende Partnerschaft führen zu können. Falls es Ihnen schwer fällt, mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin über sexuelle Probleme zu sprechen, kann Ihnen eine Beratung durch eine Psychologin helfen. Am Anfang werden Sie vielleicht alleine mit einer Fachperson sprechen wollen. Es ist aber auf alle Fälle ratsam, Ihrem Partner/Ihre Partnerin früher oder später in die Beratung einzubeziehen.

Eine psychologische Beratung kann generell sehr unterstützend wirken. Sie kann helfen, mit den einschneidenden Veränderungen im Alltag, in der Beziehung und im Beruf besser zurechtzukommen und die Lebensqualität auf einem möglichst hohen Niveau zu halten.

Kinder sollten eine altersgemässe Erklärung über die Krankheit und deren Folgen erhalten, damit sie sich an die neue Situation anpassen können. Sie spüren so oder so, dass sich etwas verändert hat. Wenn niemand mit ihnen redet, kann es vorkommen, dass sie die Schuld für diese Veränderungen − wie eine länger andauernde Müdigkeitsphase von Mutter oder Vater − bei sich selber suchen. Vielleicht glauben sie, dass Mama plötzlich so müde ist und nicht mehr mit ihnen spielen möchte, weil sie böse waren. Informationen können verhindern, dass die Kinder unnötigen Belastungen ausgesetzt sind.