Partnerschaft und MS

Wir können unser Leben noch so gut planen, es gibt Dinge, die lassen sich nicht beeinflussen. Sie stellen ohne Vorankündigung plötzlich das ganze Leben auf den Kopf. Die Diagnose MS ist so ein Schicksalsschlag; der Lebensentwurf von Betroffenen und ihrer Umwelt wird grundlegend verändert, das Leben, der Alltag nehmen neue Formen an und müssen neu geplant werden.

Für die Bewältigung der Diagnose MS brauchen Sie Zeit. Die Ungewissheit über die Folgen der bis heute unheilbaren Krankheit auf das weitere Leben flösst Angst ein. Dies, obwohl es heutzutage vielen MS-Patienten möglich ist, ein weitgehend normales Leben zu führen.

Es ist vor allem die Unkontrollierbarkeit einer Krankheit wie der MS, die einem das Gefühl von Hilflosigkeit verleiht. Man weiss nicht, wie es genau weitergehen soll. Der Impuls entsteht, die Krankheit zu verdrängen und den Kopf in den Sand zu stecken.

Ihr Partner oder Ihre Partnerin hat vermutlich die gleichen Besorgnisse und Ängste wie Sie. Und beide erwarten Sie vom anderen ein offenes Ohr, Geduld und Verständnis. So kommt es leicht zu Unstimmigkeiten und dem Gefühl, nicht verstanden zu werden. In einer Partnerschaft kann das zu Missverständnissen und Entfremdung führen. Nichts ist in dieser Situation so wichtig für die Beziehung wie ein offener Dialog. Eine chronische Krankheit ist immer ein Risikofaktor für eine Partnerschaft, dem frühzeitig Rechnung getragen werden soll.

MS gemeinsam bewältigen

MS verändert nicht nur das Leben der betroffenen Person. Auch der Alltag des Partners oder der Partnerin wird direkt beeinflusst. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, sind vielleicht plötzlich nicht mehr möglich.

Nicht nur das Wissen um die Krankheit, auch die Therapie oder eine krankheitsbedingte Fatigue mit rascher Erschöpfung können das Zusammenleben radikal verändern. Die MS-betroffene Person benötigt mehr Ruhepausen und neigt dazu, sich aus gemeinsamen Aktivitäten zurückzuziehen. Gleichzeitig kann sich der gesunde Partner durch neu übernommene Aufgaben überfordert fühlen. Noch mehr als sonst müssen Sie nun versuchen, unter Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse und derjenigen des Partners eine Form des Zusammenlebens zu finden, die für beide stimmt.

Gemeinsame Neuorientierung

Geben Sie sich für die Neuorientierung in Ihrer Partnerschaft ruhig etwas Zeit. Es kann nicht alles von heute auf morgen reibungslos funktionieren. Wichtig ist, dass die MS-betroffene Person ihre Bedürfnisse mitteilt, ohne dass dabei ein vorwurfsvoller Unterton mitschwingt. Umgekehrt sollte sie auch auf die Bedürfnisse des Partners eingehen.
Berufliche oder private Veränderungen brauchen intensive Gespräche und gemeinsame Entscheidungen. Die Kommunikation wird zum essentiellen Schlüssel, um die Probleme rund um die MS konstruktiv zu bewältigen. Konflikten sollten Sie nicht aus dem Weg gehen. Sie sind wichtig, um einen neuen Umgang miteinander zu finden. Sie bieten aber auch eine Chance, sich auf ganz neue Weise kennen und lieben zu lernen.

Kommunikation als zentrales Bewältigungsmittel

Wurde Ihnen erst vor kurzem die Diagnose MS mitgeteilt? Oder gibt es krankheitsbedingte Ängste, die Sie nicht mehr loslassen? Behalten Sie Gefühle, Zukunftsängste und Sorgen nicht für sich. Was nicht ausgesprochen wird, führt zu Frustrationen, Isolation, bis zur gegenseitigen Entfremdung. Der Partner kann Sie erst verstehen und unterstützen, wenn er weiss, was in Ihnen vorgeht. Je öfter Sie miteinander sprechen, umso mehr Vertrauen und Verständnis entwickelt sich, was Ihre Beziehung wachsen lässt.

Nicht nur die Kommunikation an und für sich ist wichtig, sondern auch die Art und Weise, wie sie betrieben wird: Scharfe Worte und Vorwürfe führen zu Abwehr beim Gegenüber. Auch wenn es manchmal schwer fällt – solche spontanen Reaktionen sollten möglichst vermieden werden. Bekämpfen Sie aufkommende negative Gefühle, atmen Sie tief ein, zählen Sie bis zehn oder gehen Sie kurz an die frische Luft, bis Sie sich beruhigt haben und wieder sachlich argumentieren können.

Wenn Sie Auseinandersetzungen und Konflikte als normalen und bereichernden Teil Ihrer Partnerschaft akzeptieren, wird der Austausch von Gedanken und Empfindungen zur Selbstverständlichkeit. Das schweisst zusammen und bringt Sie einander wieder näher. Dieser Prozess der Konfliktbereitschaft und der gemeinsamen Lösungsfindung ist leichter gesagt als getan. Doch die Mühe lohnt sich.

Klare Grenzen ziehen und Freiräume bewahren

Ein Paar sollte festlegen, wer im Zusammenleben für welche Aufgaben zuständig ist. Die MS-betroffene Person muss klar kommunizieren, wobei und welche Art von Hilfe sie braucht. Ein Zuviel kann ebenso schädlich für die Beziehung sein wie ein Zuwenig. Zuviel Hilfe kann die MS-betroffene Person erdrücken und/oder den Partner überfordern. Wenn sie aber aus falschem Stolz selbst auf die notwendigste Hilfe verzichtet, kann sich der Partner permanent zurückgewiesen fühlen und sich innerlich zurückziehen.

Auch wenn Sie oder Ihr Partner MS haben, müssen Sie beide nicht alles aufgeben, was Ihnen vorher wichtig war. Schaffen Sie sich Freiräume und gestehen Sie auch Ihrem Partner die seinen zu. Aktivitäten ausserhalb der Partnerschaft bieten beiden ein Ventil für Stress und geben Ihnen die Möglichkeit, wieder aufzutanken und Ihre Beziehung zu entlasten.