Die Diagnose verarbeiten

MS ist eine chronische Krankheit, die man nicht heilen kann. Es ist deshalb verständlich, dass praktisch alle Betroffenen bei der Diagnose mit einem Schock reagieren. Das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt. Nichts ist mehr so wie vor der Diagnose. Tausend Fragen schwirren den Betroffenen im Kopf herum: Kann ich meine Zukunftspläne überhaupt noch umsetzen? Bleibt der Partner / die Partnerin bei mir? Kann ich meine Arbeitsstelle behalten? Ist eine Karriere im Beruf trotz MS möglich?

Hilfe und Unterstützung erhalten Sie dabei von MS-Beratungsstellen, MS-Nurses, Selbsthilfeorganisationen und von Ihrem Arzt. Informieren Sie sich so gut als möglich über die MS und deren mögliche Folgen. Je mehr Sie wissen und je realistischer Ihre Erwartungen bezüglich Ihrer Krankheit sind, desto eher sind Sie in der Lage, Ihre Situation richtig einzuschätzen und die korrekten Entscheidungen für Ihr Leben zu fällen. Wissen hilft auch gegen unnötige Ängste.

(Zitate Betroffene)
Stimmen von Betroffenen, welche die Diagnose gerade erhalten haben:

„Als mir der Neurologe die Diagnose MS eröffnete, war ich vom Schock wie versteinert. Ich verstand kein Wort von dem, was er mir erklärte, konnte keinen klaren Gedanken fassen und keine Fragen stellen. Ein Gefühl der Ohnmacht erfasste mich. Ich fühlte mich während Tagen irgendwie allein und unerreichbar. Erst danach konnte ich mit meinem Mann und meiner Familie darüber sprechen.“

„Ich ging an die MS heran wie an ein Projekt im Büro. Es gibt für alles eine Lösung, sagte ich mir. Ich wollte so schnell wie möglich mit einer Therapie beginnen, um diese unheilbare Krankheit in den Griff zu bekommen. Erst allmählich begriff ich, dass ich lernen musste, mit der Krankheit zu leben und meine Lebensweise anzupassen, um besser damit umgehen zu können.“

„Für mich war die Diagnose wie eine Erlösung. Endlich wusste ich, was mit mir los war. Ich war mir sicher, dass ich einen Weg finden würde. Mein Mann konnte das überhaupt nicht verstehen. Er sah nur noch Probleme auf uns zukommen.“

Schock auch für Ihre Umgebung

Wenn Sie den ersten Schrecken überwunden haben, sollten Sie sich Gedanken darüber machen, inwieweit Sie Ihren Partner, Ihre Familie, Freunde und Arbeitsumgebung mit der neuen Situation vertraut machen.

Da die MS-Symptome für andere Menschen anfänglich nicht unbedingt sichtbar sind, stellt sich die Frage, ob man Familie und Freunde überhaupt einweihen soll. Diese Entscheidung ist Ihnen natürlich vollkommen freigestellt. Verschiedene Symptome können aber für Ihre Freunde und Ihre Familie erkennbar sein. Deshalb ist es wahrscheinlich am besten, wenn Sie gleich von Anfang an offen über Ihre Krankheit reden. Das kann Ihren Alltag erleichtern und Missverständnisse ausräumen.

Erwarten Sie aber nicht sofort vollstes Verständnis von Ihrer Umgebung. Auch für Partner, Kinder, Angehörige und Freunde bedeutet Ihre Diagnose erst einmal einen Schock. Auch sie müssen zuerst lernen, mit der neuen Situation klarzukommen. Die chronische Krankheit eines Familienmitglieds bringt auch Konsequenzen für den Rest der Familie mit sich. Es ist deshalb normal, dass auch Angehörige und enge Freunde sich Gedanken machen, welche Auswirkungen Ihre Erkrankung auf ihr zukünftiges Leben haben wird.

(Zitate Familienangehörige)
Stimmen von Angehörigen und Freunden:

„Seit der Erkrankung meines Mannes werde ich laufend gefragt: „Wie geht es Martin, wie kommt er mit der Diagnose klar.“ Fast niemand fragt mich: „Wie geht es Dir, wie kommst Du damit klar?“ Irgendwie gehen alle davon aus, dass sich für mich nichts verändert hat.“

„Seit der Diagnose ist meine Frau verschlossen und lässt niemanden an sich heran. Sie will auch nicht über die Krankheit sprechen. Ich respektiere das, weiss aber nicht, mit wem ich über meine Sorgen und Ängste reden kann.

„Unser Leben wird nie wieder so sein, wie vor der Diagnose. Ich möchte aber nicht, dass die MS meiner Frau unser ganzes Leben dominiert. Kann ich mir Freiräume schaffen, meine Wünsche und Bedürfnisse äussern, ohne sie zu verletzen? Es kann doch nicht sein, dass man ein schlechtes Gewissen hat, weil man gesund ist.“

Hilfe kann auch zu viel sein

Versuchen Sie herauszufinden, wie viel Hilfe Ihre Umgebung anbieten kann, und vor allem, welche Art von Hilfe Sie wirklich brauchen und wie viel Hilfe Sie annehmen möchten. Zu viel Hilfe kann auch einengend wirken und Sie hilfloser machen, als Sie aufgrund der MS eigentlich sind.

Es ist sehr wichtig, dass weder Sie noch Ihre Angehörigen sich unnötig überbelasten. Das beinhaltet Hobbys, Freizeitaktivitäten und Ferien. Ein Ausgleich zwischen Ruhe und Anstrengung ist für alle sehr wichtig. Bei der MS handelt es sich nicht um eine vorübergehende Krisensituation, sondern um eine Krankheit, die Sie für den Rest Ihres Lebens begleiten wird.